Apana Mudra: Das Mudra des Loslassens

Wir sind Meister im Festhalten. An alten Geschichten, an Menschen, die uns nicht guttun, an Gefühlen, die wir nie gefühlt haben. Und unser Körper macht genau das Gleiche. Er hält fest. Der Bauch ist aufgebläht, die Verdauung stockt, alles fühlt sich schwer und voll an.

Das Apana Mudra ist das Mudra des Loslassens. Körperlich und energetisch.

Was Apana Mudra bedeutet

Im Yoga gibt es fünf Pranas, fünf Bewegungsrichtungen der Lebensenergie. Eine davon ist Apana Vayu, die abwärts fließende Energie. Sie sitzt im Becken und im unteren Bauch und ist für alles zuständig, was den Körper verlässt: Verdauung, Ausscheidung, Menstruation und auch die Geburt.

Wenn Apana gut fließt, kannst du loslassen. Wenn es stockt, staut sich alles. Im Darm und genauso in deinem Inneren.

Das Apana Mudra stärkt diese abwärts fließende Energie. Es gilt als das Reinigungs-Mudra schlechthin.

Die Elemente und das Chakra

Im Apana Mudra berühren sich Daumen, Mittelfinger und Ringfinger:

  • Daumen, Feuer: Transformation und Verdauung

  • Mittelfinger, Äther: Raum, damit etwas gehen kann

  • Ringfinger, Erde: Erdung und die Verbindung nach unten

  • Zeigefinger und kleiner Finger bleiben gestreckt.

Das Apana Mudra bringt die Energie deines Wurzelchakras ins Gleichgewicht, Muladhara. Das Chakra deiner Erdung, deiner Sicherheit und deines Fundaments. Wer sich sicher fühlt, kann loslassen.

Mehr zu den fünf Elementen in deinen Fingern liest du in meinem Beitrag über Hasta Mudras.

Was Apana Mudra mit dir macht

Energetisch: Es gleicht die Energie deines Wurzelchakras aus und stärkt Apana Vayu, die Kraft des Loslassens.

Emotional: Loslassen ist nicht nur ein körperliches Thema. Das Apana Mudra unterstützt dich auch dabei, Altes gehen zu lassen. Aber denk dran: Loslassen kannst du nur, was du vorher angenommen und gefühlt hast. Das Mudra ersetzt nicht das Fühlen. Es begleitet es.

Körperlich: In der Tradition wird das Apana Mudra vor allem für die Verdauung eingesetzt, bei Blähungen, Verstopfung und Bauchschmerzen durch unverdaute Speisen. Es soll außerdem die Ausscheidung und das Wasserlassen unterstützen, verstopfte Schweißdrüsen öffnen und bei krampfartigen Menstruationsbeschwerden lindernd wirken. Ergänzend wird es auch bei Diabetes Typ 2 genannt.

Wichtig: Mudras sind eine schöne Ergänzung, aber kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung.

So machst du das Apana Mudra

  1. Hinsetzen: Setz dich bequem und aufrecht hin. Du kannst das Mudra auch im Liegen machen.

  2. Drei Finger verbinden: Bring die Spitzen von Daumen, Mittelfinger und Ringfinger sanft zusammen.

  3. Die anderen strecken: Zeigefinger und kleiner Finger bleiben locker gestreckt.

  4. Beide Hände: Halte das Mudra mit beiden Händen gleichzeitig. Leg die Hände mit den Handrücken auf deine Oberschenkel.

  5. Atmen: Atme tief in deinen Bauch. Lass bei jeder Ausatmung bewusst los, als würdest du Ballast nach unten in die Erde abgeben.

  6. Dauer: 15 bis 20 Minuten. Du kannst es auch über den Tag verteilen, dreimal 5 bis 7 Minuten.

Affirmation dazu: Ich säe und pflege meine Anliegen und nehme dankbar eine reiche Ernte an.

Visualisierung dazu: Stell dir einen üppigen Garten vor. Sieh zu, wie Samen in der Erde keimen, wie kleine Pflanzen wachsen, blühen und Früchte tragen. Jetzt pflanze etwas Eigenes in diesen Garten. Eine Beziehung, ein Gespräch, ein Projekt, das dir am Herzen liegt. Schau zu, wie es wächst. Und teile seine Früchte mit den Menschen um dich herum. Bleib zum Schluss einen Moment in dem Gefühl großer Dankbarkeit.

Wann du es nicht machen solltest

  • In der Schwangerschaft: Das Apana Mudra stärkt die abwärts fließende Energie. In der Tradition wird deshalb davon abgeraten.

  • Bei niedrigem Blutdruck: Hier solltest du vorsichtig sein oder das Mudra ganz weglassen.

Wann das Apana Mudra dir hilft

  • Wenn dein Bauch voll und aufgebläht ist, zum Beispiel nach einem schweren Essen

  • Bei Verdauungsproblemen auf Reisen

  • Während der Periode, wenn es krampft

  • Nach einem emotionalen Gespräch, wenn du etwas gehen lassen willst

  • Am Ende eines Tages, um alles abzugeben, was nicht zu dir gehört

Was darfst du gerade loslassen?

Deine Julia

Julia Moskvichov

Ex-Informatikerin, heute Yogalehrerin und Coach. Ich verbinde Körper, Psyche und Energie, weil dein Körper der absolute Wahrheitssprecher ist.

Hier geht es um Yoga mit Tiefgang: Philosophie, Mudras und echte Geschichten. Du bekommst keine Positive Vibes, sondern Übungen, die wirklich wirken.