Varuna Mudra: Das Mudra des Wassers

Manchmal fühlst du dich wie ausgetrocknet. Nicht nur die Haut, auch innen. Keine Lust, keine Ideen, keine Gefühle, nur Funktionieren. Alles ist starr, alles ist Pflicht, nichts fließt.

Das Varuna Mudra bringt dich wieder in den Fluss.

Was Varun Mudra bedeutet

Varuna ist in der indischen Mythologie der Gott des Wassers und der Meere. Das Varuna Mudra ist also das Mudra des Wassers. Es wird auch Jala Vardhak Mudra genannt, das Mudra, das das Wasser stärkt.

Wasser steht für Fluss, Weichheit und Anpassungsfähigkeit. Wasser kämpft nicht gegen den Stein. Es fließt drum herum. Und mit der Zeit formt es ihn.

Das Element und das Chakra

Im Varuna Mudra berühren sich die Spitzen von Daumen und kleinem Finger.

  • Kleiner Finger, Wasser: Durch die Berührung mit dem Daumen wird das Wasserelement gestärkt.

  • Daumen, Feuer: Das Feuer aktiviert und bringt das Wasser in Bewegung.

Das Wasserelement gehört zum Sakralchakra, Svadhisthana. Es sitzt im Unterbauch, etwas unterhalb des Nabels. Hier wohnen deine Gefühle, deine Kreativität, deine Sinnlichkeit und deine Lebensfreude.

Wenn dein Sakralchakra blockiert ist, fühlst du dich leer, freudlos und abgeschnitten von deinen Gefühlen. Wenn es fließt, kannst du fühlen, genießen und erschaffen.

Das Bija Mantra des Sakralchakras ist VAM. Du kannst es während des Mudras laut oder innerlich chanten. Wie du ein Mantra chantest, erkläre ich in meinem Beitrag über das OM-Mantra.

Die Grundregel dazu und alle fünf Elemente in deinen Fingern findest du in meinem Beitrag über Hasta Mudras.

Kombiniere es mit Atem

Das Varuna Mudra wirkt besonders schön zusammen mit kühlenden, beruhigenden Atemübungen:

Bhramari, der Bienenatem: Atme tief ein und summ beim Ausatmen mit geschlossenem Mund. Die Vibration beruhigt dein Nervensystem.

Chandra Bhedana, die Mondatmung: Atme durch das linke Nasenloch ein und durch das rechte aus. Das kühlt und besänftigt.

Beide Atemübungen erkläre ich auch in meinem Beitrag über das Akasha Mudra.

Was Varun Mudra mit dir macht

Emotional: Es bringt dich wieder in Kontakt mit deinen Gefühlen. Was erstarrt war, darf wieder fließen. Und genau das ist so wichtig: Gefühle, die fließen dürfen, müssen sich nicht im Körper festsetzen.

Geistig: Es wird auch das Siegel der geistigen Klarheit genannt. Wie ein See, der zur Ruhe kommt, wird dein Geist klarer. Und weil Wasser zum Sakralchakra gehört, weckt es auch deine Kreativität.

Energetisch: Es stärkt das Wasserelement und dein Sakralchakra. Du fühlst dich weicher, lebendiger und mehr im Fluss.

Körperlich: In der Tradition wird das Varuna Mudra bei trockener Haut und Austrocknung eingesetzt. Außerdem wird ihm eine reinigende Wirkung auf das Blut zugeschrieben, und es soll bei Hautproblemen, Blutarmut und erhöhtem Cholesterin unterstützen.

Wichtig: Mudras sind eine schöne Ergänzung, aber kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung.

So machst du das Varun Mudra

  1. Hinsetzen: Setz dich bequem und aufrecht hin, zum Beispiel im Schneidersitz oder im Lotus. Deine Wirbelsäule ist lang, aber nicht steif.

  2. Hände ablegen: Leg die Hände mit den Handflächen nach oben auf die Knie.

  3. Augen schließen: Ganz sanft.

  4. Finger verbinden: Bring bei beiden Händen die Spitze des Daumens an die Spitze des kleinen Fingers. Nur leicht berühren, nicht drücken.

  5. Die anderen strecken: Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger bleiben entspannt gestreckt.

  6. Atmen: Atme tief ein und vollständig aus. Lass mit jeder Ausatmung schwere Gedanken los.

  7. Dauer: 20 bis 30 Minuten am Tag. Du kannst die Zeit auch aufteilen, zum Beispiel zwei- bis dreimal 10 bis 15 Minuten.

Die beste Zeit: Morgens, gern direkt nach deiner Atemübung oder Meditation. Und an heißen Tagen, wenn du dich ausgetrocknet fühlst. Trink dann natürlich trotzdem genug Wasser. 😉

Affirmation dazu: Ich darf loslassen. Ich darf mich verändern. Das Leben fließt durch mich.

Visualisierung dazu: Stell dir vor, du stehst unter einem warmen Wasserfall. Das Wasser fließt über deinen Kopf, deine Schultern, deinen Rücken. Es nimmt alles mit, was schwer ist: Sorgen, Anspannung, alte Gefühle. Spür, wie du mit jedem Atemzug weicher wirst. Und wie das Wasser alles, was du nicht mehr brauchst, einfach wegträgt.

Wann du es nicht machen solltest

  • Bei Wassereinlagerungen und Schwellungen: Wenn du eh schon zu viel Wasser im Körper hast, verstärkt das Mudra das eher.

  • Bei Erkältung und Husten: Mehr Wasser heißt hier mehr Schleim.

  • Wenn du dich schwer und voll fühlst: Dann ist das Surya Mudra die bessere Wahl.

  • Im Ayurveda wird Menschen mit viel Kapha geraten, das Varuna Mudra nur ab und zu zu üben, nicht täglich.

  • Nicht drücken: Die Fingerspitzen berühren sich nur sanft. Wenn du stärker drückst, ändert sich die Wirkung.

Wann das Varun Mudra dir hilft

  • Wenn du dich innerlich ausgetrocknet fühlst, nur noch funktionierst und nichts mehr spürst

  • Wenn deine Kreativität blockiert ist

  • Wenn du an etwas festhältst und merkst, dass es Zeit ist, loszulassen

  • An heißen Sommertagen, wenn alles in dir nach Abkühlung ruft

  • Nach einem Tag in klimatisierten Räumen, wenn Haut und Augen trocken sind

Sei wie Wasser. Weich, aber nicht schwach. Fließend, aber nicht haltlos.

Wo in deinem Leben darf wieder mehr fließen?

Deine Julia

Julia Moskvichov

Ex-Informatikerin, heute Yogalehrerin und Coach. Ich verbinde Körper, Psyche und Energie, weil dein Körper der absolute Wahrheitssprecher ist.

Hier geht es um Yoga mit Tiefgang: Philosophie, Mudras und echte Geschichten. Du bekommst keine Positive Vibes, sondern Übungen, die wirklich wirken.