Prithvi Mudra: Das Mudra der Erde

Du bist überall, nur nicht hier. Der Kopf ist schon beim nächsten Termin, die Gedanken springen von einer Sorge zur nächsten, und dein Körper fühlt sich an, als würde er gleich davonfliegen. Kein Boden unter den Füßen. Kein Halt.

Das Prithvi Mudra holt dich zurück. Auf den Boden. In deinen Körper. Ins Hier.

Was Prithvi Mudra bedeutet

Prithvi heißt Erde. Das Prithvi Mudra ist also das Mudra der Erde. Es steht für Erdung, Stabilität und das Gefühl, sicher zu sein.

Es hat noch zwei andere Namen, die verraten, was es tut: Prithvi Vardhak Mudra, das Mudra, das die Erde stärkt. Und Agni Shamak Mudra, das Mudra, das das Feuer besänftigt.

Die Elemente

Im Prithvi Mudra berühren sich die Spitzen von Daumen und Ringfinger.

  • Ringfinger, Erde: Durch die Berührung mit dem Daumen wird das Erdelement gestärkt. Du bekommst Halt, Struktur und Stabilität.

  • Daumen, Feuer: Das Feuer wird ein Stück weit beruhigt. Weniger Hitze, weniger Getriebensein, weniger Gereiztheit.

Damit ist das Prithvi Mudra das genaue Gegenstück zum Surya Mudra. Beim Surya Mudra drückt der Daumen den Ringfinger nach unten, die Erde wird weniger und das Feuer stärker. Beim Prithvi Mudra berühren sich nur die Spitzen, und die Erde wird stärker. Gleiche Finger, umgekehrte Wirkung.

Die Grundregel dazu und alle fünf Elemente in deinen Fingern findest du in meinem Beitrag über Hasta Mudras.

Das Wurzelchakra

Das Prithvi Mudra gehört zum Wurzelchakra, Muladhara. Es sitzt am unteren Ende deiner Wirbelsäule, im Beckenboden. Hier geht es um die ganz grundlegenden Fragen: Bin ich sicher? Habe ich Halt? Darf ich hier sein?

Wenn dein Wurzelchakra schwach ist, fühlst du dich haltlos, ängstlich und unruhig. Du rennst und rennst und kommst nirgends an. Wenn es stark ist, stehst du mit beiden Beinen im Leben. Ruhig, klar, verwurzelt.

Das Bija Mantra des Wurzelchakras ist LAM. Du kannst es während des Mudras laut oder innerlich chanten. Der Klang schwingt tief unten im Becken. Wie du ein Mantra chantest, erkläre ich in meinem Beitrag über das OM-Mantra.

Was Prithvi Mudra mit dir macht

Energetisch: Es stärkt dein Wurzelchakra und das Erdelement in dir. Du fühlst dich geerdet, gesammelt und stabil.

Geistig und emotional: Es beruhigt einen unruhigen, flatterigen Geist. Ängste und Gedankenkarussell werden leiser. Du kommst zurück in deinen Körper und ins Hier und Jetzt. Und weil es das Feuer beruhigt, hilft es dir auch, wenn du gereizt oder ungeduldig bist.

Körperlich: In der Tradition wird dem Prithvi Mudra eine stärkende Wirkung auf alles zugeschrieben, was dem Körper Struktur gibt: Knochen, Gewebe, Haut, Nägel und Haare.

Wichtig: Mudras sind eine schöne Ergänzung, aber kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung.

So machst du das Prithvi Mudra

  1. Hinsetzen oder hinstellen: Setz dich in den Schneidersitz oder auf einen Stuhl, beide Füße fest am Boden. Du kannst das Mudra auch im Stehen machen, in Tadasana, der Berghaltung.

  2. Finger verbinden: Bring bei beiden Händen die Spitze des Daumens an die Spitze des Ringfingers.

  3. Sanft bleiben: Nicht drücken. Die Finger berühren sich nur leicht.

  4. Die anderen strecken: Zeigefinger, Mittelfinger und kleiner Finger bleiben locker gestreckt.

  5. Hände ablegen: Leg die Hände mit den Handrücken auf deine Oberschenkel oder Knie.

  6. Atmen: Atme langsam, gleichmäßig und tief. Lass deinen Atem mit der Zeit immer länger werden.

  7. Dauer: Beginne mit 15 bis 20 Minuten. Wenn du tiefer gehen willst, kannst du auf 30 bis 40 Minuten am Tag steigern, gern auch aufgeteilt.

Die beste Zeit: Früh am Morgen, wenn es noch still ist. Traditionell gelten die Stunden vor Sonnenaufgang als ideal. Aber jede Zeit ist besser als keine.

Affirmation dazu: Ich bin sicher. Ich bin gehalten. Ich stehe stark und ruhig auf dieser Erde.

Visualisierung dazu: Spür deine Füße auf dem Boden. Stell dir vor, wie aus deinen Fußsohlen Wurzeln wachsen, tief in die Erde hinein. Mit jeder Einatmung ziehst du die Kraft der Erde durch diese Wurzeln nach oben. Sie fließt durch deine Beine, in dein Becken, deinen Bauch, bis in deinen Kopf. Warm, schwer, stabil. Mit jeder Ausatmung gibst du alles ab, was dich unruhig macht. Es fließt nach unten in die Erde, und sie nimmt es einfach auf.

Wann du vorsichtig sein solltest

  • Wenn du ohnehin schwer und träge bist: Im Ayurveda heißt es, wer schon viel Erde in sich trägt, das Kapha-Dosha, sollte das Prithvi Mudra nur kurz üben. Sonst wirst du noch schwerer statt stabiler. Dann ist das Surya Mudra die bessere Wahl.

  • In der Schwangerschaft: Manche Quellen raten in der Schwangerschaft davon ab. Sprich im Zweifel mit deiner Hebamme oder Ärztin.

  • Nicht pressen: Die Finger nur sanft aufeinanderlegen. Druck bringt Spannung statt Erdung.

Wann das Prithvi Mudra dir hilft

  • Wenn du gedanklich überall bist, nur nicht hier

  • Bei Unruhe und Angst, wenn dir der Boden unter den Füßen fehlt

  • Nach einem langen Tag mit zu vielen Eindrücken

  • Nach einer Meditation oder Energiearbeit, um wieder anzukommen

  • Nach dem Akasha Mudra, wenn du dich zu weit und zu leicht fühlst

  • Vor einer wichtigen Entscheidung, damit du sie aus deiner Mitte triffst und nicht aus der Panik

Wer gut verwurzelt ist, den wirft so schnell kein Sturm um.

Was erdet dich am meisten?

Deine Julia

Julia Moskvichov

Ex-Informatikerin, heute Yogalehrerin und Coach. Ich verbinde Körper, Psyche und Energie, weil dein Körper der absolute Wahrheitssprecher ist.

Hier geht es um Yoga mit Tiefgang: Philosophie, Mudras und echte Geschichten. Du bekommst keine Positive Vibes, sondern Übungen, die wirklich wirken.